Erstveröffentlicht: 2024 · Überarbeitet: April 2026 · Version 2
Neulich stand ich am Herd mit einem Topf voller eingekochter Spargelbrühe und einem einzigen Gedanken: Raus damit, rein in die Suppe, fertig. Zwanzig Minuten später hatte ich eine samtige Spargelcremesuppe vor mir stehen – und das aus dem, was andere wegwerfen würden. Schalen. Bruchstücke. Reste.
Genau darum geht es hier.
Warum selber machen – und nicht einfach die Dose aufmachen?
Diesen Vortrag halte ich jetzt in Schulen, Einrichtungen und bei Fachveranstaltungen. Und in diesem Beitrag erkläre ich euch, worum es darin geht.
Die Antwort findet sich auf der Rückseite der Packung.
Weiter unten gibt es eine spannende Grafik zum Thema Salzgehalt „frische Lebensmittel vs. Industrieprodukte“

Wer eins der gängigen Fertigprodukte dreht und die Zutatenliste liest, begegnet dort einer kleinen Galerie: Palmöl, modifizierte Stärke, Glukosesirup, Hefeextrakt, „Aromen“ – und irgendwo in der Mitte, oft an fünfter oder sechster Stelle, der Spargel. Zwischen 3,9 % und 21 % echten Spargel enthalten die Produkte, die ich mir angeschaut habe. Das Pulver- und Tütenangebot kommt dabei eher ans untere Ende dieser Skala.
Was steckt konkret drin?
Bei Trockensuppen aus dem Supermarkt – zum Beispiel der Knorr Suppenliebe – findet sich in der Zutatenliste: Palmöl, Stärke, Weizenmehl, Zucker, Spargelpulver (gerade mal 3,9 %), Hefeextrakt, Glukosesirup und Aromen. Manche Produkte aus dem Großhandel (für Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung) enthalten zusätzlich noch deklarationspflichtige Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutamat.
Bei Dosenprodukten sieht es etwas besser aus, was den Spargelanteil angeht – aber dafür kommen Verdickungsmittel wie Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl dazu, dazu Glukosesirup und bei manchen auch Sulfite aus dem Weißwein. Ich habe hier eine Liste mit bereits veröffentlichten Artikeln für selbst gemachte Instant-Produkte, die sich regelmäßig erweitern wird.
Selbst gemacht statt Fertigprodukt – weitere Artikel aus #PinfsKochstudio
Wer einmal anfängt, Instantprodukte selber zu machen, hört nicht mehr auf. Hier findet ihr alle Artikel zum Thema:
- ► Instant Porridge selber machen Ohne Palmöl, ohne Zusatzstoffe – in drei Varianten auf einmal vorbereitet.
- ► Tütensuppen selber machen Was wirklich in der Fertigtüte steckt – und wie die selbst gemachte Version besser und günstiger wird.
Und der Salzgehalt?
Den finde ich besonders spannend. Die „Bitte zu Tisch!“-Variante von Knorr kommt auf etwa 0,77 g Salz pro 100 ml – das ergibt bei einer normalen Portion von 250 ml fast 2 g Salz. Andere Produkte (vor allem Dosensuppen) landen sogar bei 1,2 g Salz auf 100 ml, also 3 g pro Teller. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 5 g Salz pro Tag für Erwachsene. Eine einzige Portion Fertigsuppe kann also schon mehr als die Hälfte davon liefern.
Der Zucker ist in fast allen Produkten vorhanden – mal als Zucker, mal als Glukosesirup, mal als Milchzucker. Das klingt nach wenig, aber in Kombination mit dem Salz ist das einfach mehr als nötig für eine Suppe, deren Hauptzutat eigentlich Spargel sein sollte.
Selbst gemacht enthält die Suppe: Spargel. Spargelbrühe. Ein bisschen Butter. Etwas Mehl. Das war’s.
Wie groß der Unterschied zwischen naturbelassenen und verarbeiteten Lebensmitteln beim Salzgehalt tatsächlich ist, zeigt diese Übersicht des Bundeszentrums für Ernährung – und Fertigsuppen sind da keine Ausnahme:

Schmelzkäse kommt auf fast das Zehnfache des Salzgehalts von Frischkäse. Ähnliche Größenordnungen finden sich bei Fertigsuppen im Vergleich zur selbst gekochten Variante – nur dass man das bei der Tüte nicht auf den ersten Blick sieht.
Das Rezept – Spargelcremesuppe aus dem Vorrat
Diese Suppe lebt davon, dass ihr im Sommer Spargelbrühe und Spargelstücke eingekocht habt. Wenn das bei euch schon passiert ist – perfekt. Wenn nicht, springt kurz zu meinem Artikel übers Einkochen von Spargelbrühe →, da erkläre ich, wie das geht. Dann kommt ihr nächstes Jahr vorbereitet in die Saison.
Zutaten für 3–4 Teller
Grundzutaten
- Spargelbrüheca. 700 ml
- Spargelstücke150–200 g
- Butter25 g
- Weizenmehl oder Dinkelmehl25 g
- Salznach Geschmack
Zum Verfeinern
- Zitronensaft1 Spritzer
- Weißer Pfeffer1 Prise
- Sahne oder Crème fraîche2–3 EL
- Schnittlauch oder Kerbelzum Servieren
Zubereitung:
- Die Spargelbrühe in einem Topf langsam erhitzen. Falls ihr Spargelstücke aus dem Vorrat habt, gebt sie dazu und erwärmt sie mit – das gibt der Suppe noch mehr Tiefe.
- Sobald die Stücke weich und warm sind, kurz mit dem Pürierstab durchmixen. Wer eine besonders glatte Suppe möchte, kann sie danach durch ein feines Sieb passieren.
- In einem zweiten Topf die Butter bei mittlerer Hitze zerlassen. Mehl zugeben und unter ständigem Rühren 1–2 Minuten anschwitzen, bis die Masse hell-goldgelb riecht – das ist eure Mehlschwitze. Nicht bräunen lassen.
- Die heiße Spargelbrühe nun nach und nach unter Rühren eingießen, bis eine glatte, gebundene Suppe entsteht. Noch einmal kurz aufkochen, dann auf kleine Hitze stellen.
- Nach Geschmack mit Salz, einem winzigen Spritzer Zitrone und weißem Pfeffer abschmecken. Wer mag, rührt noch 2–3 EL Sahne oder Crème fraîche ein.
- Mit frisch geschnittenem Schnittlauch oder Kerbel servieren.
Das war’s. Zwanzig Minuten, ein Topf, fünf Grundzutaten.
Ein paar Ideen, die die Suppe noch besser machen
- Bruchspargel verwenden: In der Saison ist Bruchspargel deutlich günstiger als ganze Stangen – und in der pürierten Suppe sieht eins sowieso nicht, welche Form er hatte. Lohnt sich wirklich.
- Ohne Sahne: Wer es leichter mag oder gerade keine Sahne da hat, lässt sie einfach weg. Die Mehlschwitze bindet die Suppe trotzdem schön.
- Mit Kartoffel binden: Wer lieber ohne Mehl kocht, kann eine mittelgroße mehligkochende Kartoffel (ca. 100 g, gewürfelt) direkt in der Brühe mitgaren und mit pürieren. Ergibt eine etwas rustikalere, sättigendere Suppe.
- Für spontane Gäste: Wer Spargelbrühe im Glas im Regal stehen hat, ist in 20 Minuten gastgeberfähig. Das ist das Schöne am Einkochen.
Aber Spargel ist doch so teuer …
Stimmt – frischer weißer Spargel ist alles andere als günstig. Hier ein paar Wege, wie ihr trotzdem zu einer bezahlbaren Spargelcremesuppe kommt:
Bruchspargel kaufen. Viele Spargelbauern und Wochenmärkte verkaufen Bruchstücke deutlich günstiger als ganze Stangen. Fragt einfach nach – oft liegt er nicht mal aus.
Schalen konsequent nutzen. Wenn ihr Spargel kocht, wandern die Schalen bei mir grundsätzlich in den Topf für Spargelbrühe. Diese Brühe einkochen – und schon habt ihr monatelang die Grundlage für diese Suppe auf dem Regal.
Grüner statt weißer Spargel. Grüner Spargel ist in der Regel etwas günstiger, braucht keine aufwändige Schälung und ergibt eine wunderbar kräftige, leicht herbe Cremesuppe. Der Geschmack ist anders, aber mindestens genauso gut.
Tiefkühlspargel als Kompromiss. Außerhalb der Saison gibt es Tiefkühlspargel (oft in Stücken) zu moderaten Preisen. Er eignet sich gut für pürierte Suppen, da die Textur nach dem Auftauen weniger eine Rolle spielt.
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▶ Quellen & Nachweise
Nährwerte & Inhaltsstoffe Fertigprodukte
- Knorr Suppenliebe Spargelcreme Suppe – Zutatenliste und Nährwertangaben, Produktverpackung / combi.de (abgerufen April 2026)
- Knorr Feinschmecker Spargel Cremesuppe – Zutatenliste und Nährwertangaben, knorr.com (abgerufen April 2026)
- Knorr „Bitte zu Tisch!" Spargelcreme Suppe – Nährwertangaben (Salz 0,77 g/100 ml), rzonlinehandel.at (abgerufen April 2026)
- Dr. Hall Spargel-Creme-Suppe – Zutatenliste inkl. Geschmacksverstärker, drhall.de (abgerufen April 2026)
- Culina Spargelcremesuppe (Dose, 390 ml) – Zutatenliste, culina-delikatessenvertrieb.de (abgerufen April 2026)
Salzgehalt-Vergleich
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Natrium-/Salzgehalt in naturbelassenen und industriell verarbeiteten Lebensmitteln – Das Energiedichte-Prinzip, Tabelle nach BLS 3.02
Allgemeine Empfehlungen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Empfehlung max. 5 g Salz pro Tag für Erwachsene, who.int
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