Zum zweiten Mal nehme ich am Treffen der Menschen mit Armutserfahrung (TMA) teil. 2023 war ich das erste Mal dabei – damals noch erwerbslos, aber nicht arbeitslos. Das ist ein Unterschied. Ich kenne keine „Arbeitslosen“. Jeder Mensch, den ich dort treffe, arbeitet irgendwie: als Elternteil, Aktivistin, Pflegender Angehöriger oder Ehrenamtlicher bei Tafeln, Diakonie, Caritas oder dem Roten Kreuz. Nur eben nicht entlohnt. Wir sind nicht freiwillig erwerbslos – aber unfreiwillig arm.

Ein Wiedersehen unter Gleichen

Beim diesjährigen TMA205 treffe ich viele bekannte Gesichter wieder – Menschen, deren Namen man aus sozialen Netzwerken kennt oder von vergangenen Konferenzen. Andere sind zum ersten Mal hier. Doch egal, ob Neuling oder „alter Hase“: Jede und jeder wird herzlich aufgenommen. Uns eint ein gemeinsames Schicksal – Armut. Unterschiedliche Ursachen, dieselbe Realität.

Abwechslungsreiche Ernährung im Alter mit Obst, Gemüse, Kräutern und vielen anderen Lebensmitteln mit wichtigen Nährstoffen.

Wir teilen unsere Geschichten, sprechen über Ungerechtigkeit, über Wege zur Selbsthilfe, über das, was fehlt – und über das, was uns trotz allem trägt: Menschlichkeit und Zusammenhalt.

Begegnungen, die unter die Haut gehen

Die Presse ist ebenfalls vor Ort. Manche werden interviewt, manche bleiben im Hintergrund. Ich selbst nehme viele Geschichten mit. Besonders die von Menschen, die kurz vor der Obdachlosigkeit stehen, berühren mich tief. Denn das Schicksal, das sie trifft, kann jede und jeden von uns treffen – schneller, als man glaubt.

Eine Krankheit, ein Unfall, eine Trennung, Pflegeverantwortung oder einfach das Rentenalter: All das kann den Absturz bedeuten. Viele verdrängen das, bis es zu spät ist. Armut ist kein fernes Problem – sie beginnt im Alltag.

Von Einsamkeit und dem Wunsch, gesehen zu werden

Einsamkeit ist ein stiller Begleiter vieler Armutsbetroffener. Sie macht Menschen nicht seltsam – sie macht sie einsam. Und aus Einsamkeit wächst mit der Zeit Verschrobenheit. Man wird laut, kämpft um Aufmerksamkeit, weil man sonst gar nicht mehr wahrgenommen wird.

Doch das führt manchmal zu Spannungen – auch hier, beim TMA. Menschen reden durcheinander, drängen sich vor. Nicht aus Respektlosigkeit, sondern aus purer Angst, wieder übersehen zu werden. Und leider sind es oft genau diese Szenen, die später in der Presse hängen bleiben – als Belege für das alte, falsche Bild vom „faulen“, „unbelehrbaren“ Armen. Dabei ist das Gegenteil wahr: Wir kämpfen jeden Tag, um gehört zu werden.

Ein Stück Normalität – für ein paar Tage

Für viele Teilnehmende sind diese Tage beim TMA ein kleines Stück Normalität: drei Mahlzeiten täglich, ein eigenes Bett, eine Dusche. Man kann Gespräche führen, lachen, sich austauschen. Für einen Moment fühlt man sich wieder als Mensch – mit Bedürfnissen, mit Wissen, mit einer Stimme.

Denn Menschen mit Armutserfahrung haben viel beizutragen: Lebensweltexpertise, Erfahrung, Ideen. Wir wissen genau, was gebraucht wird – und es sind keine Luxusgüter. Es geht um das Notwendige: gesunde Ernährung, ein sicherer Schlafplatz, Teilhabe.


Armut ist teuer – für uns alle

Billige, hochverarbeitete Lebensmittel machen satt, aber krank. Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzprobleme sind die Folge – und belasten letztlich das Gesundheitssystem. Wäre es da nicht klüger, in gesunde Ernährung und Prävention zu investieren?

Rückseite einer Packung Geflügelwürstchen mit Nährwertangaben

Andere Länder zeigen, wie es gehen kann: kostenlose warme Mahlzeiten für alle Schulkinder, damit niemand hungrig lernen muss. Studien belegen, dass solche Programme langfristig Armut reduzieren und Sozialkosten senken. Warum also nicht auch hier?

Beispiel Schweden

„In Schweden gibt das Schulgesetz vor, dass jedes Kind ein kostenloses Mittagessen bekommt. Finanziert wird dies aus Steuergeldern, einen Anspruch auf das Schulmittagessen haben alle Kinder unabhängig vom elterlichen Einkommen (2). Seit 2011 ist im Schulgesetz festgeschrieben, dass die Schulmahlzeiten nährstoffreich sein müssen, d.h. mit den Mahlzeiten soll etwa ein Drittel des täglichen Energie- und Nährstoffbedarfs gedeckt werden (1).“ Quelle: Bundeszentrum Kita und Schulverpflegung

Ein Appell an Politik und Gesellschaft

Was wir brauchen, ist kein Mitleid, sondern Mitdenken. Politik muss langfristig handeln – und endlich auf diejenigen hören, die die Folgen der Entscheidungen täglich spüren.

Armutsbetroffene wollen nicht nur im Wahlkampf eine Rolle spielen. Wir wollen das ganze Jahr über Thema sein. Nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung. Denn wer Armut bekämpfen will, muss die Betroffenen selbst einbeziehen – mit ihren Erfahrungen, Stimmen und Ideen.

Armut ist kein persönliches Versagen – sie entsteht mitten im Leben

Manchmal frage ich mich: Wissen die Menschen da draußen eigentlich, dass auch sie irgendwann in so eine Situation geraten können? Es braucht oft gar nicht viel – ein falscher Schritt auf der Straße, eine verschleppte Grippe, Corona oder irgendeine andere Krankheit – und plötzlich steht man mit leeren Händen da. Armut entsteht nicht nur durch Faulheit, wie viele glauben. Sie entsteht durch Schicksalsschläge.
Eine Scheidung, eine Trennung, alleinerziehend zu sein oder Angehörige zu pflegen – das alles kann schnell dazu führen, dass man finanziell abrutscht. Und es betrifft nicht nur das Jetzt, sondern auch später, wenn man das Rentenalter erreicht.
Oder besser gesagt: wenn man es überhaupt erreicht. Denn viele schaffen es gar nicht bis dahin – sie erfrieren, verhungern oder sterben an Einsamkeit.

Trinken im Alter ist sehr wichtig. Hier gibt es Wasser mit Zitrone und frischem Ingwer.

Fazit:
Das TMA205 hat mir erneut gezeigt, wie viel Mut, Wissen und Solidarität in unserer Gemeinschaft steckt. Und wie sehr wir alle darauf angewiesen sind, dass man uns zuhört. Armut darf kein Randthema bleiben – sie ist mitten in der Gesellschaft. Und sie geht uns alle an.

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