Erstveröffentlicht: Mai 2026· 1. Fassung
Drei Euro neunzig für einen Becher Joghurt. Nicht der Bio-Joghurt mit dem schicken Etikett – der ganz normale, aus dem Discounter-Kühlregal. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, in dem mir das zum ersten Mal wirklich aufgefallen ist. Nicht weil ich ihn nicht bezahlen konnte, sondern weil mir plötzlich klar wurde: Dafür kaufe ich im Grunde Milch, etwas Kultur und eine Menge Verpackung. Den Rest machen Bakterien. Und die arbeiten auch in meiner Küche.
Seitdem stelle ich Milchprodukte selbst her – nicht alles, nicht immer, aber regelmäßig. Joghurt, Quark, gelegentlich Pflanzenmilch.
Und ich kann euch sagen: Es ist einfacher, als die meisten denken. Außerdem macht es Spaß, und das Ergebnis schmeckt besser.

Dieser Artikel gibt euch den großen Überblick. Was lässt sich überhaupt selbst herstellen? Was kostet das wirklich? Und wer braucht eigentlich welche Milch? Die konkreten Rezepte findet ihr in den verlinkten Artikeln – hier geht es erst einmal ums Grundverständnis.
Ein kurzer Blick zurück: Milch und die Menschheitsgeschichte
Dass Erwachsene heute Milch trinken und verdauen können, ist eigentlich eine Besonderheit. Denn ursprünglich konnten das nur Säuglinge – sie bilden das Enzym Lactase, das den Milchzucker spaltet. Erst vor etwa 7.500 Jahren entwickelte sich in Mitteleuropa eine Genmutation, die es auch Erwachsenen ermöglichte, Milch zu vertragen. Daher gilt diese Fähigkeit heute keineswegs weltweit als selbstverständlich.
Interessant dabei: Schon lange bevor diese Mutation auftrat, haben Menschen Milch verarbeitet – zu Käse und Joghurt nämlich. Denn bei der Fermentation wird der Milchzucker abgebaut. Das Prinzip des Selbermachens ist also uralt. Wir erfinden hier nichts neu, sondern knüpfen an etwas an, das Menschen schon immer getan haben.
Tierisch oder pflanzlich – eine Frage ohne einfache Antwort
Ob tierische Milch oder pflanzliche Alternativen – die Diskussion kennt viele Facetten. Umweltschutz, Tierwohl, Gesundheit, Kosten. Und oft genug auch das Budget, das am Ende des Monats entscheidet.
Pflanzliche Drinks aus dem Handel sind teuer. Eine Packung Hafermilch kostet schnell das Doppelte oder Dreifache von Kuhmilch. Wer also nicht aus ethischen, sondern aus finanziellen Gründen auf tierische Produkte setzt, handelt nachvollziehbar. Gleichzeitig lassen sich viele Pflanzendrinks mit etwas Zeit einfach selbst herstellen – dann wird die Preisfrage plötzlich eine ganz andere.
Tierische Milch ist übrigens auch nicht günstig, zumindest wenn eins genauer hinschaut. Wer Produkte wie Joghurt oder Quark kauft, zahlt vor allem für Verarbeitung, Verpackung und Logistik – nicht für die Milch selbst. Deshalb lohnt sich das Selbermachen hier besonders.
Ich mache beides: Joghurt aus Kuhmilch, wenn ich die gerade da habe – und Hafermilch selbst, wenn ich mal etwas ausprobieren will, oder am Monatsende, wenn das Geld knapp ist.
Wer vegan lebt, findet für fast alle klassischen Milchprodukte eine pflanzliche Alternative, die sich selbst herstellen lässt. Und wer nicht vegan ist, muss das trotzdem nicht ignorieren.

Was lässt sich alles selbst herstellen?
Milchprodukte selbst herstellen – was kostet das wirklich?

Konkrete Zahlen sind schwierig, weil Preise schwanken. Aber ein paar Anhaltspunkte helfen:
Einen Liter Joghurt selbst herzustellen kostet in etwa das, was ein Liter Vollmilch kostet – plus zwei Esslöffel Naturjoghurt als Starter. Der fertige Joghurt aus dem Laden ist pro Liter oft zwei- bis dreimal teurer. Obwohl die Zeit, die eins dafür investiert, überschaubar ist: Umrühren, abdecken, warten.
Bei Hafermilch sieht es ähnlich aus. Haferflocken sind günstig, Wasser sowieso. Selbst gemacht kostet ein Liter einen Bruchteil der Tetrapack-Variante. Der Unterschied wird noch größer, wenn eins Bio-Qualität anstrebt.
Quark aus saurer Milch kostet de facto nichts – weil die Milch ohnehin weiterverarbeitet werden würde. Das ist pure Wertschöpfung aus dem, was sonst im Ausguss landet.
Milchprodukte selbst herstellen: Die Artikel im Überblick
In den folgenden Artikeln zeige ich euch konkret, wie das jeweils funktioniert – mit Rezepten, Tipps aus meiner eigenen Küche und ehrlichen Einschätzungen, was klappt und was nicht.
🍣 Weitere Artikel aus der Milchreihe demnächst hier:
📚 Quellen & Nachweise
Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Laktosetoleranz und die LP-Allel-Mutation in Mitteleuropa (Artikel nicht mehr online verfügbar)
Smarticular Verlag: „Selber machen statt kaufen"
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