Erstveröffentlicht: 29.04.2026 ·  1. Fassung

Löwenzahnhonig selber machen – auf das Gläschen in meiner Hand hatte ich ehrlich gesagt nicht spekuliert, als ich neulich in Köln auf einer Demo gegen Armut war. Eine gute Freundin von mir steht dort jeden Monat und klärt auf, was Armut in diesem Land konkret bedeutet. Beim Wiedersehen drückte sie mir ein kleines Glas in die Hand. Selbstgemacht. Mit Löwenzahn von der Wiese.

Ich weiß, was in so einem Gläschen steckt. Wie lange eins dafür draußen steht, wie viele Kelche eins entfernen muss, wie lange der Topf köchelt. Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Zuhause haben meine Kinder den Inhalt quasi inhaliert. Das Gläschen war leer, bevor ich auch nur ans Fotografieren gedacht hatte. Und das war Motivation genug: Das machen wir jetzt selbst.

Ein paar Tage später bin ich mit meiner Tochter zu einer Wiese außerhalb unseres Dorfes gefahren. Zwei Körbchen, Sonnenschein, gute Laune. Die Ernte hat keine halbe Stunde gedauert. Die eigentliche Arbeit kam danach – das Entfernen der grünen Kelche. Aber da lag meine Freundin goldrichtig: Ein Hörbuch macht aus dieser Arbeit echte Entspannung.

Was ist Löwenzahnhonig überhaupt?

Kurz gesagt: kein Honig im klassischen Sinne. Keine Bienen, keine Waben. Löwenzahnhonig ist ein Blütensirup, der durch langes Einkochen diese zähflüssige, goldbraune Konsistenz bekommt, die so an echten Honig erinnert. Vegan, regional, aus einer Pflanze, die auf nahezu jeder Wiese wächst – und die obendrein nichts kostet.

Der Geschmack? Herb-fruchtig, mit einer feinen Blütenaromatik. Nicht süßklebrig wie mancher Industriehonig, sondern runder, interessanter. Mit einer Bio-Orange im Topf bekommt er außerdem eine zitrusfrische Note, die ich persönlich sehr mag.

Löwenzahn hat übrigens eine lange Geschichte als Nutzpflanze. In der Volksmedizin wird ihm seit Jahrhunderten nachgesagt, er soll unter anderem die Verdauung anregen und wurde traditionsgemäß als kräftigendes Frühjahrskraut eingesetzt. Was die moderne Wissenschaft davon hält – das überlasse ich anderen. Ich halte mich daran, dass er gut schmeckt.

Wann und wo sammeln?

Die Hauptblütezeit des Löwenzahns liegt je nach Standort und Witterung zwischen März und Mai. In unserer Trierer Gegend beobachte ich, dass es oft ein bis zwei Wochen später losgeht als weiter nördlich – das ist meine persönliche Beobachtung, kein wissenschaftlicher Befund. Beobachtet eure bevorzugten Stellen, wenn die Zeit sich nähert. Die Natur hält sich an keinen Redaktionsplan.

  • Am besten an einem sonnigen Vormittag pflücken, wenn die Blüten voll geöffnet sind

  • Genug stehen lassen – Insekten brauchen den Löwenzahn als frühe Nahrungsquelle

  • Wiesen meiden, die gespritzt werden oder direkt an vielbefahrenen Straßen liegen.
  • Wiesen meiden, die an sogenannten „Gassi-geh-Runden“ liegen. Das Warum erklärt sich von selbst.

  • Kinder können prima mithelfen – die leuchtend gelben Blüten sind kaum zu verwechseln

Das Rezept: Löwenzahnhonig selber machen

Das Grundrezept, nach dem ich gearbeitet habe, stammt aus „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“ von Smarticular – ein Buch, das ich weiter unten noch vorstelle. Ich habe etwas mehr Blüten verarbeitet als im Grundrezept angegeben, weil wir so schön viele gesammelt hatten. Das Ergebnis: sechs Gläser à 200 ml – und die seht ihr im Titelbild.

Wofür kann ich den Löwenzahnhonig verwenden?

Überall dort, wo sonst Honig ins Spiel kommt: auf dem Frühstücksbrot, im Tee, im Porridge. Aber auch zum Verfeinern von Salatdressings, zum Backen oder – ganz ehrlich – einfach löffelweise direkt aus dem Glas. Meine Kinder würden das bestätigen.

Aber das klingt doch nach ganz schön viel Aufwand…

Kurze Gegenfrage: Eine halbe Stunde auf einer Wiese mit einem Kind und zwei Körbchen – ist das Aufwand? Ich finde, das ist eher Erholung.

Der eigentliche Zeitfresser ist das Entfernen des Grüns. Aber auch das lässt sich wunderbar in den Abend integrieren, wenn eins eh auf der Couch sitzt. Danach macht der Topf die Arbeit von selbst. Und am Ende stehen sechs Gläser Löwenzahnhonig – für die Kosten von einem Kilo Zucker, einer Orange und einer Zitrone.

Zum Vergleich: Ein Glas hochwertiger Bio-Honig kostet im Laden schnell über 10 Euro. Selbst gemacht kostet er einen Bruchteil – und macht dabei noch Spaß.

Meine Buchempfehlung

Das Rezept für diesen Löwenzahnhonig stammt aus „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“ von Smarticular. Ich habe das Buch selbst im Regal stehen und greife regelmäßig hinein – es steckt voller Ideen. Wildpflanzen, die auf dem Land und in der Stadt wachsen und aus denen sich wundervolle Dinge machen lassen, die eins sonst teuer im Handel oder Bioladen kaufen muss.

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► Blütenhonige selber machen – die große Blütenserie

Im Laufe des Jahres wächst hier nach und nach eine ganze Honigsammlung – eine Blüte nach der anderen:

► Quellen
  • Smarticular Verlag: „Geh raus! Deine Stadt ist essbar" – Rezeptbasis Löwenzahnhonig
  • smarticular.net: Löwenzahnhonig selber machen als vegane Honig-Alternative, abgerufen April 2026: smarticular.net
Buchcover „Geh raus! Deine Stadt ist essbar" neben einem Weidenkorb mit frisch gesammelten Wildfrüchten und Nüssen auf dunklem Steinhintergrund.

Dass in der Stadt nicht nur Betonwüsten, Abgase und Hundehaufen zu finden sind, zeigt euch dieses Buch von mundraub.org aus dem smarticular Verlag.

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Eure Pinf

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