Erstveröffentlicht: 2022 · Zuletzt überarbeitet: April 2026 · 2. Fassung

Vor ein paar Monaten war ich als Impulsgeberin in einem Erzählcafé eingeladen – einem Abend, an dem Menschen von ihren eigenen Erfahrungen mit Armut erzählten. Ich habe von meinem Alltag berichtet, davon wie ich wirtschafte, plane, rette und improvisiere. Die Stunde war viel zu kurz. Der Wunsch, das Gespräch weiterzuführen, war groß.

Dieser Artikel ist so eine Art Fortsetzung. Keine perfekte Anleitung für alle – sondern ein ehrlicher Blick in meinen Alltag.

Was funktioniert bei mir. Was ich ausprobiert habe. Was ich anderen weitergeben würde, wenn wir zusammen am Tisch sitzen würden.

Abwechslungsreiche Ernährung im Alter mit Obst, Gemüse, Kräutern und vielen anderen Lebensmitteln mit wichtigen Nährstoffen.

Ich schreibe nicht für Menschen, die schon alles wissen. Ich schreibe für Menschen, die gerne in andere Töpfe gucken. Weil man – weil eins – manchmal erst durch den Umweg über andere Ideen auf die eigene beste Lösung kommt.

Lecker und günstig leben – was heißt das eigentlich?

Lecker und günstig leben bedeutet für mich nicht, sich mit wenig zufrieden zu geben. Es bedeutet: langfristig denken, flexibel bleiben und die eigenen Ressourcen kennen.

Und das ist gar nicht so einfach, wenn Stress den Kopf vernebelt und das Budget knapp ist. Stress begünstigt Vergesslichkeit. Dinge gehen unter. Möglichkeiten werden übersehen. Deshalb hilft mir Visualisierung – sich aufschreiben oder aufzeichnen, was vorhanden ist, was gebraucht wird, was bald kommt. Geburtstage, Schulausflüge, Feiertage. Das alles lässt sich vorausplanen, wenn eins es auf dem Schirm hat.

Denn die besten Angebote sind meistens dann, wenn der Monat fast vorbei ist. Wer vorausgedacht hat, kann auch dann noch zugreifen.

Ressourcen kennen – was habe ich wirklich?

Gezeichneter Pinf-Avatar sitzt nachdenklich in einer modernen Küche – in der Gedankenblase ein gedeckter Esstisch mit Kerzen und ein Sparschwein

Bevor eins plant, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Ressourcen. Denn manchmal hat eins mehr – oder andere – Möglichkeiten als gedacht:

Lebensmittel beschaffen:

  • Einkaufen mit Angebotsvergleich
  • Foodsharing-Plattformen und Lebensmittelrettung
  • Obst und Kräuter sammeln (Saison beachten)
  • Fensterbank-Gemüse und Regrowing
  • Einkaufsgemeinschaften mit Nachbarn oder Freunden – jede Person fährt in ein Geschäft, kauft für alle mit, spart Wege und Kosten

Verarbeiten und haltbar machen:

  • Gemeinsam kochen verteilt Energiekosten und bekämpft Einsamkeit
  • Einkochen, Dörren, Einlegen

Zahlungsmittel im Blick behalten: Nicht jeder hat eine Kreditkarte, ein PayPal-Konto oder die Möglichkeit zur Lastschrift. Das schränkt manche Onlineangebote ein – das ist eine reale Hürde, kein persönliches Versagen. Manchmal hilft hier ein Freund oder Familienmitglied, der das Angebot vorschießt.

Viele Einmachgläser mit eingekochten Lebensmitteln auf einem Tisch – selbst einkochen spart Geld und reduziert Lebensmittelverschwendung

Langfristig planen – auch wenn der Vorrat knapp ist

Meine Vorräte sind in der Vergangenheit schon drastisch geschrumpft – durch Corona, durch gestiegene Preise, durch weniger Foodsharing-Angebote weil der Handel Waren eher verbilligt verkauft statt spendet. Trotzdem: weitermachen. Auf ein Neues.

Langfristige Planung heißt nicht, riesige Vorräte aufzubauen. Es heißt, immer ein bisschen weiter zu denken als nur bis morgen. Was steht in drei Wochen an? Was könnte ich jetzt vorbereiten? Was davon lässt sich haltbar machen?

Ein eingekochtes Glas Gulasch im Regal bedeutet: Im Krankheitsfall muss eins nicht kochen. Eine Portion getrocknetes Suppengemüse bedeutet: Im Notfall ist schnell eine warme Mahlzeit möglich – auch ohne Strom zum Einfrieren.

Und falls mal kein Herd zur Verfügung steht: Vieles aus dem Glas kann im Notfall auch kalt gegessen werden. Ein Gaskocher ist eine günstige Anschaffung für solche Situationen.

Drei Küchenkräuter in Metalltöpfen auf einer Fensterbank – Basilikum, Thymian und Minze vor verschwommenem Stadtbild

Gemüse von der Fensterbank – mehr als Dekoration

Blumen sind schön. Aber Gemüse und Kräuter auf der Fensterbank sind schön und nützlich. Wer keinen Garten hat, kann trotzdem frisch kochen – auch im dritten Stock.

Regrowing – aus Resten neues Gemüse ziehen

Regrowing bedeutet: aus Gemüseresten, die sonst im Müll landen, neues Gemüse ziehen. Das lohnt sich besonders bei teuren Gewürzpflanzen.

Ich habe so zum Beispiel Kurkuma und Ingwer gezogen. Beide nicht gerade günstig im Einzelhandel – aber einmal angepflanzt fast unendlich verfügbar, wenn eins direkt weiter züchtet.

Kurkuma selber ziehen – mit Geduld zum Vorrat

Alles was gebraucht wird: ein Blumentopf mit großem Durchmesser, Blumenerde, ein Stück frisches Kurkuma (am besten Bio) und viel Geduld.

Das frische Stück Kurkuma einfach eine Weile liegen lassen bis sich Keime zeigen. Im Idealfall hat eins zwei Keime – dann das Rhizom entsprechend teilen. In feuchte Erde setzen (Keime nach oben), immer feucht halten, aber keine Staunässe. Bald erscheinen die ersten Blätter. Nach etwa 9 Monaten wird geerntet. Das erklärt übrigens ganz gut, warum Kurkuma im Laden so teuer ist.

Weiterverarbeitung: Nach der Ernte einen Teil direkt wieder einpflanzen. Den Rest entweder im Backofen oder Dörrgerät trocknen und zu Pulver verarbeiten – oder kühl und dunkel in einer Sandkiste lagern bis er gebraucht wird. Kurkuma passt wunderbar ins selbstgemachte Gemüsebrühpulver (Rezept weiter unten) und ist ein wichtiger Bestandteil von Currymischungen.

⚠️ Wichtiger Hinweis zu Kurkuma: In der „Volksmedizin“ wird Kurkuma seit Jahrhunderten eingesetzt und ihm werden entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt. Als Gewürz in normalen Kochmengen ist Kurkuma unbedenklich. Hochdosierte Kurkuma-Präparate (Nahrungsergänzungsmittel, Kapseln, Extrakte) können jedoch die Leber schädigen. Wer unter einer Lebererkrankung leidet oder leberbelastende Medikamente einnimmt, sollte auf Kurkuma ganz verzichten – auch als Gewürz. Im Zweifel immer ärztlichen Rat einholen.

Mehrere durchsichtige Tüten mit getrockneten Kräutern, Gemüse und Nudeln – selbstgemachte Suppenmischungen mit handgeschriebenen Etiketten

Schnäppchen online und offline finden

„Häbbe kütt vom halde“ – hat meine frühere Chefin immer gesagt. Und sie hatte Recht. Wer halten kann, hat auch was. Aber Schnäppchen finden kostet Zeit – die muss eingeplant werden.

Hier sind Anlaufstellen, die ich kenne und selbst nutze oder genutzt habe:

Too Good To Go – kostenlose App, die mit Cafés, Bäckereien, Restaurants und Supermärkten verbindet, die täglich einwandfreie Lebensmittel übrig haben. Eins reserviert eine „Überraschungstüte“ zum halben Preis oder weniger, holt sie im angegebenen Zeitfenster ab – und rettet dabei Lebensmittel vor der Tonne. Inhalt ist eine Überraschung, das Preis-Leistungs-Verhältnis oft sehr gut. Funktioniert am besten in der Stadt, wächst aber auch in der Fläche. App ist kostenlos, kein Abo.

Foodsharing – ehrenamtliche Plattform zum Teilen und Retten von Lebensmitteln. Privatpersonen und Betriebe stellen Lebensmittel kostenlos ein, andere holen sie ab. Keine App nötig – über die Webseite oder lokale Gruppen (oft bei Facebook oder Telegram) organisiert. Einstieg als Abholende ist sofort möglich, wer selbst Lebensmittel retten möchte (z.B. aus Betrieben) braucht eine kurze Einführung. Für Trier und Umgebung lohnt sich ein Blick in die regionalen Gruppen.

Motatos – hat sich der Lebensmittelrettung verschrieben. Viele Produkte günstiger als bei Amazon. Auch für Partys und besondere Anlässe geeignet.

Lebensmittel Sonderposten – viele Markenprodukte, auch MHD-Ware. Gut für Kindergeburtstage oder Feiern.

Thomas Phillips – Haushaltswaren, nicht immer alles im Angebot, aber oft günstig. Tipp: mit Vorauszahlung bestellen – dauert etwas länger, aber keine Rückbuchungsärger.

Weck Lagerverkauf – deutlich günstiger als bei Amazon. Wer regelmäßig einkocht, kommt hier gut weg. Ein Karton Gläser monatlich – auch mit Porto noch weit unter dem Amazon-Preis.

Zwei Dörrgeräte nebeneinander mit Lebensmitteln bestückt – die Displays zeigen Temperatur und verbleibende Dörrdauer

Dörren – was ist möglich?

Ich liebe meinen Dörrautomaten. Er ist klein und einfach – aber für den Anfang reicht er vollkommen. Und: Dörrgeräte verbrauchen weniger Strom als ein Backofen. Eine Investition, die sich langfristig auszahlt.

Was ich gedörrt habe: Champignons, Paprika, Tomaten, Apfelscheiben und -schalen, Suppengemüse, Kräuter, Zucchini, Hokkaido-Kürbis. Manches gesammelt, manches günstig eingekauft, vieles über Foodsharing.

Zucchini, Champignons und Hokkaido lassen sich nach dem Dörren zu Pulver mahlen – damit entstehen wunderbare Instant-Cremesuppen oder geschmacksgebende Zutaten für Gewürze auf Vorrat. Einfach etwas Pulver in heißes Wasser, abschmecken, fertig.

Getrocknetes Obst – Apfelstückchen, Birnen, Beeren – findet später Verwendung in Müslis, Shakes oder beim Backen. Und: Apfelschalen gehören nicht in den Biomüll! Getrocknet sind sie ein aromatischer Bestandteil von selbstgemachtem Wintertee.

Rezept: Veggiewürze – selbstgemachtes Gemüsebrühpulver

Vorrat | Dörrgerät oder Backofen | Schwierigkeit: einfach

Selbstgemachtes Gemüsebrühpulver gibt vielen Gerichten den letzten Pfiff – ganz ohne Fix-Produkte. Aus Gemüseresten oder frischen Zutaten, je nach Vorrat.

Zutaten:

  • Sellerieknolle
  • Möhren
  • Zwiebeln
  • Lauch
  • Knoblauch
  • Liebstöckel
  • 60 g Meersalz
  • 5 g Pfefferkörner

Zubereitung: Gemüse gut waschen und klein schneiden. Falls vorhanden durch den Fleischwolf drehen – sonst im Mixer fein häckseln. Die Dörrgerät-Etagen mit Backfolie auslegen und die Masse dünn aufstreichen, mehrere Etagen nutzen.

Temperatur und Zeit nach Geräteanleitung einstellen. Ungefähr jede Stunde die unterste Etage nach oben wechseln, damit alle gleichmäßig trocknen. Wenn alles wirklich ganz trocken ist, in eine große Schüssel umfüllen und vollständig abkühlen lassen.

Dann entweder grob lassen oder zu feinem Pulver mahlen – eine zweckentfremdete Kaffeemühle leistet hier gute Dienste. Nochmal abkühlen lassen und in gut verschließbare Gläser umfüllen.

Kühl und dunkel lagern. Haltbarkeit: mehrere Monate.

Tipp: Apfelschalen-Tee

Apfelschalen nicht wegwerfen! Nach dem Dörren sind sie intensiv aromatisch und ergeben einen wunderbaren Tee – besonders in der dunklen Jahreszeit.

Einfach die Schalen von einem Schwung Äpfeln im Dörrgerät trocknen, in einem Schraubglas sammeln. Mit einer Zimtstange oder Orangen, Nelken usw. aufgebrüht: einfach, günstig, gemütlich.

Sucht im Internet nach Rezepten, es lohnt sich.

Aber das ist doch alles so aufwändig…

Ja, manches kostet Zeit. Und Zeit ist nicht immer im Überfluss vorhanden. Aber: Das Dörrgerät arbeitet alleine. Das Gemüse auf der Fensterbank wächst von selbst. Die Gläser im Keller warten einfach.

Es ist kein System, das von heute auf morgen funktioniert. Es ist ein Flickenteppich aus kleinen Entscheidungen, die sich irgendwann addieren. Kein Pflaster für strukturelle Probleme – das ist mir wichtig zu sagen. Armutsbetroffene wirtschaften in der Regel sehr gut. Aber ein paar Handgriffe mehr machen das Leben leichter. Und manchmal macht genau das den Unterschied.

Buchcover „Geh raus! Deine Stadt ist essbar" neben einem Weidenkorb mit frisch gesammelten Wildfrüchten und Nüssen auf dunklem Steinhintergrund.

Dass in der Stadt nicht nur Betonwüsten, Abgase und Hundehaufen zu finden sind, zeigt euch dieses Buch von mundraub.org aus dem smarticular Verlag.

Die besten essbaren Wildpflanzen kannst du auch in deiner Nähe finden und so deinen Speiseplan mit würzigen Kräutern, Obst, Vitaminen und Mineralstoffen bereichern. Und das völlig kostenlos.

Auf einer schwarzen Platte liegt ein Handtuch mit Kochlöffeln. Daneben eine Grafik im Buchformat "Pfiffige Frühstücksideen - Für Zuhause und unterwegs - Gesund muss nicht immer langweilig sein" Test auf dem Bild: Mein Dankeschön für deine Anmeldung zum Newsletter.

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Eure Pinf

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Zwei Dörrgeräte nebeneinander mit Lebensmitteln bestückt – die Displays zeigen Temperatur und verbleibende Dörrdauer

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