Erstveröffentlicht: Dezember 2024 · Zuletzt überarbeitet: Juni 2026 · 2. Fassung
Kinder lernen lesen – und wer dabei nur an Schulstunden und Lesetagebücher denkt, hat das Schönste noch nicht erlebt. Den Moment, wo ein Kind ein Buch aufschlägt und einfach verschwindet. Wo die Welt um es herum aufhört zu existieren und nur noch die Geschichte zählt.
Noch heute sind wir große Fans von Kinder- und Jugendbüchern
Wir haben von jeher sehr viel gelesen. Lesen bedeutete für mich als Kind schon immer eine Flucht in Welten, wo ich mich stark und sicher fühlte, mit den Protagonisten Abenteuer hautnah miterlebte und am Ende des Buches das Gefühl des Erfolgs nach bestandenen Abenteuern spürte. Ihr merkt, ich bin eine wahre Leseratte. Vermutlich hatte ich die gesamten Bestände der Kinder- und Jugendbücherei meines Heimatortes in all den Jahren zuhause.
Ich liebe das Gefühl, die Buchseiten in meinen Fingern zu halten, umzublättern, dazu einen leckeren Tee oder heiße Schokolade, köstliche Plätzchen dabei naschen, in eine Decke gekuschelt die Welt zu vergessen. Und irgendwie hat das Lesefieber auch meine Kinder sehr früh gepackt. Alles was Buchstaben hatte, wurde verschlungen. Ich hatte natürlich einen Büchereiausweis – und bin ständig mit dem Fahrrad zur Bücherei gefahren. Mein persönlicher Rekord: 27 Bücher in den Sommerferien. In unserem Dorf gibt es übrigens einen Leseschrank, wo jeder Bücher reinstellen oder rausholen kann. Das ist eine tolle Gelegenheit, um an Lesestoff zu kommen – für Jung und Alt. wir haben da sogar schon Bücher gefunden, die den Kindern in Schulfächern helfen konnten. Habt ihr auch so ein Angebot an eurem Wohnort?
Eine Lesung, die alles verändert hat
In der Grundschule trafen meine Kinder auf Autoren, mit denen sie auf Abenteuerreise gingen. Meine Tochter ist seit einem Besuch von Stefan Gemmel in ihrer Grundschule ein riesiger Fan von ihm – und das bis heute. Dass ich ihn damals zufällig über Twitter traf und er mir für meinen Adventskalender Bücher zur Verfügung stellte, war pures Glück. Damals durfte ich Bücher von Stefan Gemmel im Rahmen meines Adventskalenders verlosen. Wir haben sie vorher gemeinsam gelesen – meine Tochter und ich, auf der Couch, mit Kakao und selbstgebackenen Mürbeteigkeksen mit Zitronenzuckerguss und Streuseln. Besser geht Winterabend nicht.
Kinder lernen lesen – aber wann fängt das eigentlich an?
Offiziell lernen Kinder in der ersten Klasse lesen. Aber eigentlich fängt es viel früher an. Schon im Kindergarten, wenn vorgelesen wird und Kinder gebannt zuhören. Wenn ein Dreijähriger sein Bilderbuch aufschlägt und die Geschichte nacherzählt, die Mama vorgelesen hat – Seite für Seite, auswendig, und dabei so tut als würde er lesen. Ich fand diese Zeit bei meinen Kindern bezaubernd.
Vorlesen ist dabei keine Vorbereitung aufs Lesen – es ist bereits ein Teil davon. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, entwickeln ein Gefühl für Sprache, für Satzmelodie, für den Rhythmus von Erzählungen. Und sie erleben, dass Bücher Orte sind, an die eins gerne zurückgeht.
Deshalb: Wer darauf wartet, dass das Kind erstmal lesen kann bevor es Bücher bekommt, verpasst etwas. Die Lesefreude entsteht nicht nach dem Lesenlernen – sie entsteht davor.
Kürzlich schrieb eine Mutter auf BlueSky, dass sie mit ihrem großen Kind (6) lesen und schreiben geübt hat und das Kleine (3) fleißig mitgemacht hat. Kinder lernen automatisch mit.
Was Bücher mit Kindern machen
Buchempfehlungen und Rezensionen – von Kochbüchern bis Kinderbüchern. Stöber durch alle Bücherthemen bei #PinfsKochstudio.
Lesen fördert die Fantasie und Vorstellungskraft, unterstützt die Rechtschreibung und Grammatik und kann beim Erlernen von Sprachen sehr hilfreich sein. Aber das ist noch nicht alles. Bücher bringen Kinder in Situationen, die das echte Leben noch nicht bereithält. Sie üben sich in Empathie, wenn sie mit einer Figur mitfiebern. Sie trainieren Geduld, wenn eine Geschichte sich langsam entfaltet. Und sie lernen, dass Probleme Lösungen haben können – manchmal unerwartete, manchmal witzige, manchmal bewegende.
Die Stiftung Lesen macht darauf aufmerksam, dass jedes vierte Kind die Grundschule verlässt, ohne ausreichend lesen zu können. Das ist keine Kritik an Eltern – sondern ein Hinweis darauf, wie wichtig es ist, Lesen früh und ohne Druck ins Leben zu holen.
Das Schöne: Kein Kind muss dafür besonders weit sein. Eins muss nur das richtige Buch zur richtigen Zeit in die Hände bekommen.
Wie Kinder Lust aufs Lesen bekommen – ganz ohne Druck
Das Geheimnis ist kein Geheimnis: Kinder lesen, wenn sie wollen. Und sie wollen, wenn Lesen sich gut anfühlt. Kein Druck, keine Pflicht, kein „Du musst jetzt lesen.“
Bücher nach den Interessen des Kindes aussuchen hilft enorm – ob Tiere, Abenteuer, Humor, Rätsel oder fremde Welten. Die Bibliothek ist dabei eine unterschätzte Ressource: kostenlos, riesige Auswahl, Kinder dürfen selbst stöbern. Und Vorbilder helfen: Wenn Kinder sehen dass Erwachsene selbst gerne lesen – mit echter Freude, nicht als Pflicht – prägt das mehr als jede Leseempfehlung.
Gemeinsames Vorlesen lohnt sich übrigens auch dann noch, wenn das Kind längst selbst lesen kann. Eine Geschichte, über die eins gemeinsam lacht oder grübelt, verbindet. Und sie zeigt dem Kind: Lesen ist etwas das Erwachsene selbst lieben.
Wer ein Kind in der sechsten Klasse hat, dem sei der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels ans Herz gelegt. Rund 600.000 Sechstklässler nehmen jedes Jahr daran teil – von der Schule über regionale Ebenen bis zum Bundesfinale unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Ein toller Ansporn, der Lesen aus dem Schulalltag herausholt und auf eine Bühne stellt. Die Teilnahme läuft über die Schule – es lohnt sich also, dort einfach mal nachzufragen ob die Klasse mitmacht.
Ein Funke, einziger Moment reicht aus
Und manchmal reicht ein einziger Moment. In der fünften oder sechsten Klasse sollten wir unser Lieblingsbuch vorstellen. Ich hatte „Alle lieben Tausendsassa“ mitgebracht und daraus vorgelesen. Ein Klassenkamerad stellte ein Buch aus der Reihe „Burg Schreckenstein“ von Oliver Hassenkamp vor — und ich habe danach jedes dieser Bücher das ich in der Bücherei finden konnte gelesen und verschlungen. Später, als ich selbst Kinder hatte, habe ich das ein oder andere gekauft und die Filme mit ihnen geschaut. So funktioniert Lesebegeisterung: nicht durch Pflichtlektüre, sondern durch echte Freude die einfach überspringt.
Bei meiner Tochter war es ein Schulausflug zum örtlichen Buchhändler — mit einer Lesung und anschließend durften die Kinder in den Büchern stöbern und einfach lesen. Kein Druck, kein Auftrag. Nur Bücher und Zeit. Genau das ist es.
Zwei Bücher die wirklich begeistern
Das Buch ist besonders für Kinder im Grundschulalter geeignet und lädt mit liebevollen Illustrationen zum Mitfiebern ein. Es eignet sich hervorragend für das Vorlesen oder erste eigene Leseversuche und bietet dabei eine unterhaltsame und kulturell bereichernde Perspektive. Die Geschichte zeigt auf spielerische Weise, dass selbst die größten Probleme mit Einfallsreichtum und Humor gelöst werden können.
„Der Dschuha und der Eselritt“ von Stefan Gemmel ist eine bezaubernde Geschichte aus der Erstlese-Reihe Im Licht der Zauberkugel, speziell für Kinder ab 7 Jahren. Das Buch kombiniert einfache Sprache, kurze Kapitel und bunte Illustrationen, die auch Leseanfänger begeistern. Es erzählt von Alex, der gemeinsam mit dem Kugelgeist Sahli eine magische Zeitreise in die Heimat des weisen Dschuha unternimmt. Dort lernt Alex, dass es nicht notwendig ist, es allen recht zu machen, und dass Selbstbewusstsein sowie ehrliche Kommunikation wichtig sind.
Das Buch bietet einen spannenden Einblick in die arabische Kultur, mit Elementen wie dem arabischen Alphabet und landestypischen Illustrationen. Am Ende finden Kinder zusätzlich kleine Sprachlektionen und eine Einführung in die Figur des Dschuha, einer bekannten Gestalt aus der arabischen Literatur. Diese Mischung aus Spaß und Lerninhalten macht das Buch zu einem wunderbaren Werkzeug, um kulturelle Neugier und Lesefreude zu fördern
Über Stefan Gemmel – Kinderbuchautor aus Rheinland-Pfalz
Stefan Gemmel ist Kinder- und Jugendbuchautor und wurde 1970 in Mohrbach im Hunsrück geboren. Seine Bücher wurden in 18 Sprachen übersetzt – damit ist er der meistübersetzte Autor in Rheinland-Pfalz.
Heute lebt und arbeitet Stefan mit seiner Familie in Laudert und wurde 2007 als einer der jüngsten Deutschen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Wenn du mehr über Stefan und seine Bücher und Projekte erfahren möchtest, dann stöber ein wenig auf seiner Webseite.
Was viele nicht wissen: Stefan Gemmel engagiert sich seit Jahren für Kinder in Mali. Gemeinsam mit dem Verein Mali-Hilfe e.V. unterstützt er eine Schule im Dorf Kadiala — die inzwischen seinen Namen trägt. Wer Stefan zu einer Lesung einlädt, freut sich über eine kleine Spende an dieses Herzensprojekt mehr als über jeden Blumenstrauß. Mehr dazu auf seiner Webseite.

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Die langfristigen Vorteile des Lesens
Kinder, die gerne lesen, profitieren davon ein Leben lang. Sie entwickeln bessere Kommunikationsfähigkeiten, eine ausgeprägte Vorstellungskraft und die Fähigkeit, kritisch zu denken. Bücher vermitteln zudem Werte, fördern Problemlösungsfähigkeiten und helfen dabei, die Welt besser zu verstehen. Außerdem bietet Lesen einen Gegenpol zur digitalen Reizüberflutung und schenkt Kindern Momente der Ruhe.


Antolin ist ein interaktives Online-Portal zur Leseförderung, das sich an Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse richtet. Es motiviert Schüler, Bücher zu lesen, und kombiniert das mit einem Punktesystem, das den Spaß am Lesen steigert. Nach dem Lesen eines Buches können die Kinder auf der Plattform Fragen zu dessen Inhalt beantworten. Richtig gelöste Aufgaben bringen Punkte, die den Lernerfolg sichtbar machen.
Die Plattform unterstützt sowohl Schulen als auch Eltern dabei, die Lesekompetenz der Kinder zu fördern. Lehrkräfte können den Fortschritt ihrer Schüler verfolgen und gezielte Lesetipps geben. Für Kinder ist Antolin spielerisch und belohnend, da sie Punkte sammeln und Erfolge erzielen können. Viele beliebte Kinder- und Jugendbücher sind auf Antolin gelistet, einschließlich Werke von Autoren wie Stefan Gemmel.

Hier gibts was auf die Ohren!
Stefan Gemmels „Im Zeichen der Zauberkugel“ gibt es als Live Mitschnitt auf Spotify. Es lohnt sich da mal reinzuhören. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr.




