Erstveröffentlicht: 14. März 2022 · Zuletzt überarbeitet: April 2026 · 2. Fassung
In meinem Elternhaus gab es einen Keller, der mich als Kind in Staunen versetzt hat. Reihe um Reihe Gläser – Pflaumen, Birnen, Bohnen, Gurken, Tomaten, Marmelade. Das kam alles aus unserem großen Obst- und Gemüsegarten. Was der Garten im Sommer nicht hergab, hat meine Familie auf dem Markt oder über Nachbarn besorgt. Dieser Keller war unser Supermarkt. Und er funktionierte ohne Strom.
Ich denke oft an diese Gläser. Nicht mit Nostalgie – sondern mit echtem Respekt. Denn was bei uns zuhause ganz selbstverständlich war, ist heute fast in Vergessenheit geraten.
Dabei ist Einkochen und haltbar machen günstiger, unabhängiger und nachhaltiger als alles, was der Gefrierschrank je leisten kann.

In diesem Artikel zeige ich euch, was ich über die Welt ohne Strom-Konservierung gelernt habe – aus Familienrezepten, aus eigener Erfahrung und aus Jahren, in denen ich selbst Lebensmittel gerettet, eingeweckt und gelagert habe.

Einkochen und haltbar machen – warum das heute wieder Sinn macht
Einen Tiefkühler zu befüllen kostet dauerhaft Strom. Fällt der Strom aus – egal warum – ist alles hin. Und wer mit kleinem Budget wirtschaftet, weiß: Lebensmittel wegzuwerfen ist kein kleines Ärgernis, das ist richtig teuer.
Die Lösung liegt in Methoden, die unsere Großeltern gut kannten:
- Einkochen (Einwecken): Lebensmittel in Gläsern durch Erhitzen haltbar machen
- Trocknen und Dörren: Feuchtigkeit entziehen, Haltbarkeit verlängern
- Einlegen in Öl oder Essig: Aromatisch haltbar machen
- Lagern ohne Energie: Keller, Kleiderschrank, Gemüsemieten
All das ist keine Raketenwissenschaft. Eins braucht ein bisschen Zeit beim ersten Mal – aber dann läuft es fast von selbst.
Den richtigen Lagerort finden

Nicht jeder hat einen kühlen, dunklen Keller. Aber fast alle haben Alternativen – eins muss nur wissen, wie eins sie nutzt.
Die Kleiderschrank-Methode meiner Oma
Meine Oma lagerte ihr Eingekochtes auf dem Boden ihres Kleiderschranks – im Schlafzimmer, das nie geheizt wurde. Dunkel, kühl, geschützt vor Licht. Dort standen Einmachgläser, Marmeladen, eingelegte Früchte, Würzöle und getrocknete Kräuter. Alles ordentlich beschriftet mit Inhalt und Datum.
Der Vorteil, den sie mir einmal erklärte: Man öffnet Kleiderschranktüren nicht ständig. So bleiben die Lebensmittel vor Licht und Temperaturschwankungen geschützt. Den Schrankboden hatte sie mit Schrankpapier ausgelegt – heute gibt es auch rutschfeste Matten*, die waschbar und langlebiger sind. Kein duftendes Schrankpapier verwenden – das überträgt sich auf die Gläser.
Wichtigste Grundregel: Jedes Glas bekommt ein Etikett mit Inhalt und Einmachdatum. Auch selbst gemachte Konserven sind nicht ewig haltbar.
Opas Fliegenschrank – unterschätzt und superpraktisch
Für frisches Obst hatte mein Opa ihr einen sogenannten Fliegenschrank* gebaut – ein offener Kasten mit Fliegendraht statt Glasscheiben. Der hält Obstfliegen und Insekten fern, lässt aber die Luft zirkulieren. Heute gibt es Fliegenschränke auch zu kaufen – dekorative Modelle, die prima in die Küche passen. Je feiner das Netz, desto besser hält er auch Lebensmittelmotten fern. Stabiler Fliegendraht hält länger als Netzstoff.
Auch für Trockenwaren wie Mehl, Nudeln und Zucker eignet sich ein zweiter Fliegenschrank – als offenes, durchlüftetes Vorratsregal.
Und wer selber Salami und Schinken herstellt, für den sind diese Fliegenschränke optimal zum Trocknen und Lagern der selbst hergestellten Delikatessen.
Gemüsemieten für Wurzelgemüse
Eine der ältesten Lagerungsmethoden der Welt: Karotten, Pastinaken, Sellerie und andere Wurzelgemüse in Sand oder Stroh schichten – in einer Holzkiste oder einem großen Eimer, aufgestellt in der kühlen Vorratskammer oder im Keller.
Wichtig dabei: nur unbeschädigtes, frisches Gemüse einlagern. Regelmäßig kontrollieren und faule Stücke sofort entfernen. Ein einziges beschädigtes Stück kann die ganze Kiste verderben.
Wer einen Garten hat, kann sogar Erdmieten anlegen – eine traditionelle Methode, bei der Gemüse direkt im Boden überwintern kann.
Trocknen und Dörren – was ist der Unterschied?

Trocknen bedeutet: Lebensmittel einfach aufhängen oder auslegen, Luft und Zeit erledigen den Rest. Die Temperatur sollte konstant zwischen 30 und 50 °C liegen, die Luftfeuchtigkeit gering. Der Haken: Wasserreiche Früchte wie Beeren oder Wassermelone verderben schneller als sie trocknen.
Dörren ist dasselbe Prinzip – nur mit einer zusätzlichen Wärmequelle, die den Prozess beschleunigt. Backofen, Dörrgerät oder selbst gebaute Dörrbox.
Was sich besonders gut dörren lässt: Champignons, Paprika, Apfelscheiben und -schalen, Suppengemüse, Kräuter, Zwetschgen, Aprikosen.
Ein besonderer Trick: Zucchini, Champignons und Hokkaido-Kürbis trocknen, dann fein mahlen. Das Pulver in Schraubgläsern aufbewahrt ergibt blitzschnelle Instant-Cremesuppen – einfach etwas Pulver in heißes Wasser rühren, abschmecken, fertig.
Das Schöne am Dörren: Der Geschmack intensiviert sich erheblich. Gedörrtes Obst schmeckt konzentrierter und süßer als frisches.
Obst einkochen – der Klassiker aus dem Familienkeller
Ich erinnere mich noch genau, wie wir als Kinder das Obst aus dem Garten in Gläser eingekocht haben. Pflaumen, Birnen, Äpfel, Pfirsiche, Kirschen. Der Keller roch danach wochenlang nach Zimt und Nelken.
Das Grundprinzip ist einfach: Obst vorbereiten, in Gläser schichten, mit Zuckerlösung übergießen, im Backofen einkochen. Kein Einkochtopf notwendig – der Backofen reicht vollkommen.
Rezept: Pflaumen einkochen
Ergibt 4 Gläser à 1 Liter | Saison: Spätsommer
Zutaten:
- 4000 g Pflaumen – nur unbeschädigte Früchte
- 300–400 g Zucker
- 4 Twist-off-Gläser oder Einmachgläser à 1 L
- Optional: Gewürznelken, 2 Zimtstangen, Mark einer Vanilleschote
Vorbereitung: Pflaumen waschen, trockentupfen, halbieren und entkernen. Mit der Schnittfläche nach unten fest in die Gläser schichten.
Zuckerlösung: 1 Liter Wasser mit dem Zucker aufkochen bis sich der Zucker vollständig gelöst hat. Wer mag, gibt jetzt Nelken, Vanillemark und Zimtstangen (in vier Teile gebrochen) dazu. Die Lösung gleichmäßig auf die vier Gläser verteilen – Pflaumen müssen vollständig bedeckt sein, Gläser bis 1 cm unter den Rand füllen.
Einkochen: Gläser fest verschließen. Die Fettpfanne des Backofens auf der untersten Schiene ca. 2 cm mit Wasser füllen, Gläser hineinstellen. Ofen auf 200 °C einstellen. Sobald die ersten Bläschen in den Gläsern aufsteigen: auf 150 °C zurückdrehen und ca. 25 Minuten einkochen. Danach Ofen ausschalten, Gläser noch 30 Minuten darin ruhen lassen. Anschließend an einem ruhigen Ort vollständig auskühlen lassen. Kühl und dunkel lagern.
Tipp: Beschriften nicht vergessen – Inhalt, Datum, eventuelle Gewürze. Haltbarkeit kühl und dunkel: mehrere Monate.

Tomaten haltbar machen – wenn die Saison läuft
Wenn Tomaten reichlich und günstig sind – auf dem Markt, beim Nachbarn, über Foodsharing – dann ist der richtige Moment zum Haltbarmachen.
Möglichkeiten: Trocknen, in Olivenöl einlegen, zu Sauce oder Ketchup verarbeiten, oder als intensives Tomatenpulver auf Vorrat mahlen.
Rezept: Getrocknete Tomaten in Olivenöl
Ziehzeit: 14 Tage | Ergibt ca. 2 Gläser
Zutaten:
- 1000 g Cocktailtomaten
- 15 g grobes Meersalz
- 2 g getrockneter Oregano
- 460 g kaltgepresstes Olivenöl (ca. 500 ml)
Zubereitung: Tomaten waschen, gut abtrocknen, halbieren und entkernen. Mit der Schnittfläche nach oben auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen, leicht salzen.
Bei 80–90 °C trocknen lassen, bis bei Fingerdruck keine Feuchtigkeit mehr austritt – das kann je nach Ofen mehrere Stunden dauern. Damit die Feuchtigkeit entweichen kann: einen Kochlöffel in die Ofentür klemmen, sodass ein Spalt offen bleibt.
Fertig getrocknete Tomaten herausnehmen, mit Oregano bestreuen, kurz abkühlen lassen. Dicht in Gläser füllen, vollständig mit Olivenöl bedecken, verschließen. 14 Tage an einem kühlen, dunklen Ort ziehen lassen. Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren.
Das Öl wird mit der Zeit selbst zum aromatischen Würzöl – zum Kochen, für Salate oder einfach aufs Brot.
Bonus-Tipp: Tomatenpulver Wer die Tomaten nicht einlegen möchte: nach dem Abkühlen grob mahlen. In einem Schraubglas kühl und dunkel aufbewahren. Vier EL Pulver in etwas warmem Wasser aufweichen ergibt eine intensive Tomatenpaste für Brot, Dips oder Suppen.
Und was ist mit Würzölen?
Selbstgemachte Würzöle sind ein kleines Geschenk für die eigene Küche – und für andere. Eines meiner liebsten: das Zitronenöl mit pfeffriger Note. Das Rezept dazu findet ihr in meinem Artikel über das Einsparen von Speiseöl – direkt hier →.
Fleischgerichte einkochen – möglich, aber mit Sorgfalt
Ja, eins kann auch Eintöpfe, Gulasch, Bolognese oder Braten portionsweise einkochen. Ideal für Abende wenn keine Zeit zum Kochen ist – einfach Glas öffnen, erwärmen, fertig.
Hier gilt: Sauberkeit ist das A und O. Gläser gut sterilisieren, Ränder sauber halten, einen Einfülltrichter verwenden. Nach dem Einkochen den Vorgang nach 3–4 Tagen wiederholen – damit eventuell verbliebene Keime sicher abgetötet werden. Warum das wichtig ist, erklärt dieser Artikel über Botulismus beim Einkochen sehr gut. Den Link empfehle ich euch wirklich – informiert euch, bevor ihr Fleisch einweckt.
Aber Einkochen ist so aufwändig…
Ja, beim ersten Mal schon. Naja, eigentlich auch dann nicht wirklich. Hier ein paar Gedanken dazu:
Gläser muss ich kaufen. Einmal. Twist-off-Gläser bekommt eins günstig im Supermarkt, oft sogar kostenlos wenn Freunde oder Nachbarn welche übrig haben. Auf Flohmärkten und bei Foodsharing findet eins immer wieder welche. Einmachgläser nach Weck-Standard halten ein Leben lang.
Ich habe kein Obst aus dem Garten. Kein Problem. Auf dem Wochenmarkt am Ende des Markttages, über Foodsharing-Plattformen oder in der Tafelnähe gibt es oft Obst und Gemüse kurz vor dem Ende ihrer Marktfähigkeit – günstig oder kostenlos, einwandfrei zum Einkochen.
Das dauert zu lange. Pflaumen einkochen dauert inkl. Vorbereitung ca. 1,5 Stunden – und danach hat eins Monate lang Vorrat. Tomaten trocknen können während eins etwas anderes erledigt – der Ofen läuft, eins schaut ab und zu drauf.
Es braucht spezielles Equipment. Nein. Ein Backofen, saubere Gläser und die Lebensmittel reichen für den Anfang vollkommen.
⚡ Energie sparen – weitere Artikel

Dass in der Stadt nicht nur Betonwüsten, Abgase und Hundehaufen zu finden sind, zeigt euch dieses Buch von mundraub.org aus dem smarticular Verlag.
Die besten essbaren Wildpflanzen kannst du auch in deiner Nähe finden und so deinen Speiseplan mit würzigen Kräutern, Obst, Vitaminen und Mineralstoffen bereichern. Und das völlig kostenlos.

Wenn euch der Artikel gefallen hat, teilt ihn doch mit euren Freunden.
Ihr wollt in Zukunft per Mail über neue Inhalte, Rezepte und Tipps informiert werden? Dann einfach zum Newsletter anmelden.
Bis bald und leckere Grüße
Eure Pinf
*Zur Refinanzierung der Kosten fürs Webhosting nimmt #PinfsKochstudio am Affiliate Programm von Amazon teil. Bestimmte Begriffe in meinen Beiträgen sind daher mit Links zu Amazon hinterlegt und mit einem * markiert. Wenn du darüber einkaufst, unterstützt du meine Arbeit ohne das dir Mehrkosten entstehen. Vielen Dank.

Pinfs Küchenausstattung
🔍 Du fragst dich, womit ich koche?
Ehrlich gesagt hab ich lange gebraucht, bis ich wusste, was wirklich zuverlässig ist. Mein Favoriten-Equipment – jetzt auf einen Blick.
► Kochtöpfe & Pfannen
► Einmach- & Einkochzubehör
► Backformen
► Bücher, die ich wirklich nutze
Affiliate-Links – für dich kein Mehrpreis,
für mich eine kleine Unterstützung. ♥

Das Weck Einkochbuch
Wer mit dem Einkochen anfängt, braucht eine verlässliche Grundlage. Das Einkochbuch von Weck ist genau das – ein Klassiker der Vorratshaltung mit vielen Rezepten, Grundregeln und Tipps rund ums Einkochen, Einmachen und Haltbarmachen.
Von Marmelade über Gemüse bis hin zu Fleischkonserven – hier findet eins alles was eins für den Einstieg und darüber hinaus braucht.
Empfohlen von Pinf – weil gute Grundlagen das A und O sind!

Weck Einkochautomat
„Das ist mein Weck Einkochautomat – ich nutze ihn seit Jahren und er hat sich wirklich bewährt!“
Wer regelmäßig größere Mengen einkocht, kommt irgendwann an den Punkt wo ein Einkochkessel das Leben leichter macht. Er hält die Temperatur konstant, hat oft einen eingebauten Timer und fasst viele Gläser auf einmal.
Aber – und das sage ich bewusst – erst kaufen wenn du weißt dass Einkochen wirklich dein Ding ist. Für den Einstieg reicht ein großer Topf völlig aus!

Dörrgeräte – Lebensmittel natürlich konservieren
Mit einem Dörrgerät trocknest du Obst, Gemüse, Kräuter oder Fleisch schonend bei niedrigen Temperaturen – ganz ohne Konservierungsstoffe. Nährstoffe und Aromen bleiben dabei weitgehend erhalten, die Haltbarkeit verlängert sich auf Monate. Moderne Geräte bieten präzise Temperaturregelung, Timer-Funktion und mehrere Etagen für größere Mengen. Eine lohnende Anschaffung für alle, die Lebensmittel nachhaltig und kostenbewusst nutzen möchten.

