Erstveröffentlicht: Juni 2026 · Zuletzt überarbeitet: Juni 2026 · 1. Fassung
Für diesen Einkaufszettel-Rechner zur Grundsicherung gibt es einen konkreten Grund. Es gibt einen Moment, den ich gut kenne. Den Moment, wenn eins die Sachen aufs Band legt und innerlich zusammenzählt. Nicht weil man vergessen hat aufzuladen. Sondern weil man ganz genau weiß, wie viel da ist. Und wie viel nicht.
Ich habe lange nach einer Möglichkeit gesucht, diesen Moment sichtbar zu machen. Nicht für mich – den kenne ich. Sondern für alle, die ihn noch nie erlebt haben. Für Fachkräfte, die täglich mit Menschen arbeiten, für die Grundsicherung kein politisches Konzept ist, sondern der Alltag.
Dieser Einkaufszettel-Rechner zur Grundsicherung ist meine Antwort darauf.
Was steckt hinter dem Einkaufszettel-Rechner?
Das Grundsicherungsbudget für Essen und Trinken beträgt 195,36 € pro Monat. Das sind 6,51 € pro Tag. Das klingt nach einem Plan. Und auf dem Papier geht er auch auf – wenn eins Frühstück, Mittagessen und Abendessen einzeln durchrechnet.
Das Problem ist: Niemand kauft eine Portion. Eins kauft immer die ganze Packung.
Eier kosten 2,49 € für den 10er. Hähnchenbrust 3,29 € für 400 Gramm. Rapsöl 1,29 € für 750 Milliliter. Die Portionspreise klingen klein – 0,25 € pro Ei, 1,23 € für eine Hähnchenbrust-Portion, 0,02 € pro Löffel Öl. Aber wer einkauft, gibt den Packungspreis aus. Und der Packungspreis übersteigt das Tagesbudget schnell.
Dazu kommt: Das Lebensmittelbudget ist der einzige flexible Posten im Regelsatz. Wenn das Deutschlandticket teurer ist als kalkuliert, wenn die Stromrechnung nachkommt, wenn zwei Rezept-Zuzahlungen fällig werden – dann kommt die Differenz vom Essen. Immer.
Das ist kein Einzelfall. Das ist Struktur.
Wie funktioniert der Einkaufszettel-Rechner zur Grundsicherung?
Der interaktive Einkaufszettel-Rechner für die Grundsicherung zeigt genau das: Was passiert, wenn eins für einen realistischen Tageseinkauf die Produkte auswählt, die eins wirklich braucht.
Eins wählt Produkte aus zehn Kategorien – Frühstück, Eier, Veganes Protein, Fleisch und Fisch, Getreide, Gemüse, Obst, Getränke, Gewürze, Snacks. Alle Preise stammen von Aldi und Lidl, Stand Mai 2026. Für jedes Produkt sieht eins zwei Werte:
- Den Portionspreis – was eine Mahlzeit kostet
- Den Packungspreis – was man tatsächlich ausgeben muss
Die Differenz ist der eigentliche Lernmoment. Und wer dann noch auf die Twist-Ereignisse klickt – Jobcenter-Termin, Rezept-Zuzahlung, krankes Kind – sieht, wie schnell das Budget kippt, ohne dass irgendjemand irgendetwas falsch gemacht hat.
Warum habe ich das gebaut?
Ich mache Kochkurse. Ich halte Vorträge. Ich moderiere Online-Angebote. Und ich erlebe immer wieder dasselbe: Gut gemeinte Ratschläge treffen auf eine Realität, die diese Ratschläge nicht kennt.
„Kauf saisonal.“ – Ja. Aber wenn der Bus zum Wochenmarkt schon fast das halbe Frühstücksbudget kostet, kauft eins eben im nächsten Discounter. „Linsen sind so günstig.“ – Stimmt. Aber Linsen ohne Öl, Zwiebeln, Gewürze schmecken nach nichts. Und jede Zutat ist eine weitere Packung, die man erst kaufen muss.
Ich baue keine Tools, damit Betroffene sich besser erklären können. Ich baue sie, damit alle anderen besser verstehen. Fachkräfte in der Sozialarbeit. Ernährungsberaterinnen. Multiplikatorinnen. Alle, die täglich mit Menschen sprechen, für die 6,51 € kein Denkspiel sind.
Dieser Rechner ist ein Werkzeug für Perspektivwechsel. Nicht für Mitleid. Für Verständnis.
Was die Preise uns gerade zeigen
Die Lebensmittelpreise sind seit 2020 um 36 Prozent gestiegen. Die historischen Hochs lagen 2022 und 2023 bei plus 13 Prozent pro Jahr – der stärkste Anstieg seit den 1970er Jahren. 2024 gab es eine erste Abschwächung. Aber die Preise fallen nicht. Sie steigen nur langsamer.
Besonders stark betroffen sind die Basics: Eier plus 73 Prozent, Speisefette und Öle plus 49 Prozent, Milch und Käse plus 37 Prozent. Genau die Zutaten, ohne die günstige Küche nicht funktioniert.
Und das Grundsicherungsbudget? Das basiert auf Ausgabedaten aus dem Jahr 2018. Sechs Jahre alte Zahlen, fortgeschrieben mit einem Mischindex, der die reale Preisentwicklung nur teilweise abbildet.
Das ist kein Versehen. Das ist Methode.
Wie eins den Rechner nutzen kann
Der Rechner ist frei zugänglich und funktioniert direkt im Browser, ohne Anmeldung. Einfach die Produkte anklicken, die man für einen realistischen Tag braucht – und dann schauen, was passiert.
Besonders lehrreich: erst einen gesunden, ausgewogenen Tag planen – Frühstück, warmes Mittagessen, Abendessen, Obst, Snack – und dann die Packungspreise zusammenrechnen. Dann einen der Twist-Knöpfe drücken. Dann einen zweiten.
Man muss das nicht erklären. Das Ergebnis erklärt sich selbst.
Die Preise werden regelmäßig aktualisiert. Im August 2026 erscheint ein Vergleich: Was hat sich seit Mai verändert? Und was bedeutet das für das Budget?
Einkaufszettel Grundsicherung Rechner
📖 Weiterlesen – Armut & System
Hintergründe, Zahlen und Werkzeuge zum Thema Grundsicherung.
- ► Kaufkraft, Lebensmittel und Grundsicherung – was unser Einkauf wirklich kostet
- ► Wie der Regelsatz berechnet wird – und warum das eine politische Entscheidung ist
- ► Einkaufszettel Grundsicherung – was 6,51 € pro Tag wirklich bedeutet
- ► ZDF Bürgergeld-Doku – eine Kritik
- ► Armut in Deutschland 2026 – warum Menschen auf die Straße gehen
Quellen & weiterführende Links
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) – destatis.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex – Genesis-Online 61111-0002
- BMAS: Regelbedarfsermittlungsgesetz (RBEG), Regelbedarfsstufen 2024 – bmas.de
- Der Paritätische Gesamtverband: Armutsbericht 2023 – der-paritaetische.de
- Bundesregierung: Grundsicherungsgeld – Änderungen ab 1. Juli 2026 – bundesregierung.de
Alle Links wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung geprüft.
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