Erstveröffentlicht: Dezember 2024 · Zuletzt überarbeitet: Juni 2026 · 2. Fassung
Wir wohnten auf dem Land. Die Kinder fuhren jeden Tag in die Stadt zur Schule – Freunde im Dorf gab es keine. Und irgendwann haben wir aufgehört darauf zu warten, dass sich das ändert, und einfach selbst einen Buchclub gegründet. Zu dritt. Meine Tochter, mein Sohn und ich.
Was als kleine Notlösung begann, wurde zu einem unserer liebsten Winterrituale. Ein Buch, eine gemütliche Ecke, Kakao und selbstgebackene Kekse – und plötzlich war es egal, dass draußen niemand wartete.
Wenn du also denkst, ein Buchclub für Kinder sei etwas für große Gruppen und organisierte Schulprojekte: Nein. Eins braucht nicht viel. Manchmal reichen drei Menschen und ein gutes Buch.
Was soll der Buchclub eigentlich sein?
Bevor es losgeht, lohnt sich eine kurze Überlegung – nicht als Pflichtaufgabe, sondern damit alle dasselbe im Kopf haben.
Soll der Buchclub vor allem Spaß machen und Bücher feiern? Oder soll er Kindern helfen, die sich mit dem Lesen noch schwertun? Oder geht es darum, gemeinsam über Geschichten zu reden, zu diskutieren, andere Meinungen zu hören?
Alle drei Ziele sind gut. Und sie schließen sich nicht aus. Aber wenn eins weiß was im Vordergrund steht, fällt alles andere leichter – die Buchauswahl, die Treffen, der Ton.
Genauso wichtig: das Alter der Kinder. Ein Buchclub für Sechs- bis Achtjährige sieht anders aus als einer für Zehnjährige. Jüngere Kinder brauchen kürzere Texte, mehr Bewegung, mehr Bilder. Ältere können schon diskutieren, eigene Meinungen vertreten, kreativ weiterdenken.
Buchclub für Kinder gründen – wen einladen?
Ideal sind vier bis acht Kinder – genug damit echte Gespräche entstehen, nicht so viele dass alles chaotisch wird. Aber wie gesagt: zu dritt geht es auch wunderbar.
Mögliche Quellen für Mitglieder: Klassenkameraden, Nachbarschaftskinder, Geschwister, Kinder aus Vereinen. Wer mutig ist, hängt einen Zettel in der örtlichen Bibliothek auf oder fragt bei der Schule nach – manche Lehrkräfte freuen sich über sowas und unterstützen es gerne.
Und wenn sich am Ende nur zwei oder drei Kinder finden? Auch gut. Klein anfangen und wachsen lassen.
Tipp für Vereine, Schulen und Bibliotheken: Die Stiftung Lesen fördert aktiv die Gründung von Leseclubs – mit Unterstützung bei Materialien, Büchern und Aufwandsentschädigungen. Das lohnt sich besonders für alle die einen größeren Buchclub aufbauen möchten. Mehr Infos auf stiftunglesen.de.
Buchclub im Verein – wo Lesemuffel und Sportmuffel sich treffen
Mein persönlicher Tipp: Ihr seid in einem Verein? Gut, dann ist der Tipp hier drüber das richtige für euch. Vielleicht hat der Verein ja Interesse auch Kinder anzusprechen, die mit Bewegung nicht soviel am Hut haben und lieber lesen. Mit einem kostenlosen Buchclub für Kinder holt ihr auch diese Kinder ab. Kleine Bewegungseinheiten vor und/oder nach dem langen Sitzen führen die Kinder ganz natürlich in die Bewegung.

Es gibt tolle Bewegungsspiele wie „Cowboy und Pferd“, oder „Dreh den Pfannkuchen um“. Diese Spiele zielen nicht darauf ab wer der/die Beste ist, sondern es geht reihum. Das fördert auch die Lust an Bewegung ohne den Druck der/die Beste sein zu müssen. Und es macht einen Riesen Spaß.
Ort und Rhythmus – weniger ist mehr
Der Treffpunkt muss nicht perfekt sein. Ein Wohnzimmer, eine Bibliotheksecke, ein Garten im Sommer – Hauptsache gemütlich und ruhig genug zum Lesen und Reden.
Was hilft: ein fester Rhythmus. Einmal im Monat ist realistisch und für die meisten Familien gut machbar. Alle zwei Wochen ist intensiver – funktioniert gut wenn die Gruppe klein und eingespielt ist. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Verlässlichkeit. Kinder mögen wissen wann es wieder losgeht.
Das richtige Buch finden
Das ist die Königsdisziplin. Ein Buch das niemanden begeistert zieht die ganze Energie raus – eines das alle mitreißt, macht den Buchclub zum Highlight.
Ein paar Faustregeln: Das Buch sollte zum Alter passen, nicht zu lang sein und thematisch etwas bieten worüber es sich lohnt zu reden. Abenteuer, Freundschaft, Gerechtigkeit, Mut – Themen die Kinder wirklich beschäftigen.
Schön ist es, wenn die Kinder selbst mitentscheiden. Zwei oder drei Vorschläge zur Auswahl stellen und abstimmen lassen – das schafft von Anfang an Verbindung zum Buch. Und wer selbst mitbestimmt hat, liest auch eher.
Die Bibliothek ist dabei Gold wert. Kostenlos, riesige Auswahl, und die Bibliothekarinnen haben oft wunderbare Empfehlungen parat.
Übrigens: Wer einen Bibliotheksausweis hat, bekommt oft mehr als nur Bücher. Viele Bibliotheken bieten über filmfriend kostenlosen Zugang zu über 3.000 Filmen und Serien – werbefrei, ohne Datenerhebung, mit eigener Kids-Sektion für Kinder. Einfach auf filmfriend.de nachschauen ob die eigene Bibliothek mitmacht.
So läuft ein Treffen ab
Kein festes Programm, kein Schulstunden-Feeling. Ein Buchclub für Kinder sollte locker sein – und trotzdem eine Struktur haben, damit niemand verloren geht.
Was bei uns immer gut funktioniert hat: eine kurze Runde am Anfang, wo jeder sagen kann wie ihm das Buch gefallen hat. Nicht als Bewertung – einfach als Einstieg. Dann ein paar Fragen, die wirklich interessieren: Wer war dein Lieblingscharakter? Welche Szene hättest du anders geschrieben? Was würde passieren wenn die Geschichte weitergeht?
Danach darf es gerne kreativ werden. Figuren zeichnen, eine Szene nachspielen, einen Brief an einen Charakter schreiben, eine alternative Endung erfinden. Kinder die nicht so gerne reden, blühen beim Basteln und Malen oft ganz anders auf.
Und dann natürlich: Snacks. Am besten passend zum Buch. Kekse in Tierform wenn das Buch von Tieren handelt, Piratenkekse wenn es um Abenteuer geht. Das klingt nach Details – macht aber einen riesigen Unterschied für die Stimmung.
Am Ende: gemeinsam das nächste Buch wählen und freuen.
Eltern einbeziehen – aber ohne Stress
Wenn mehrere Familien mitmachen, lohnt es sich die Eltern kurz im Loop zu halten – was wird gelesen, wann ist das nächste Treffen, braucht jemand Unterstützung beim Besorgen des Buchs? Manche Eltern helfen gerne aktiv mit, andere sind froh wenn es einfach läuft. Beides ist okay. Und es ist kein Wettbewerb wer die besten Snacks und coolste Show abliefert. Gestaltet die Treffen so, dass auch Familien mit kleinem Budget gut mithalten können. Haltet es einfach, ohne Ablenkung. Bücher und Kinder stehen im Vordergrund.
Was ich empfehlen würde: Niemanden überfordern. Nicht jede Familie muss jedes Mal den Snack mitbringen oder den Raum stellen. Reihum ist entspannter für alle.
Es gibt in manchen Bibliotheken spezielle Lernräume oder Bereiche wo man gut einen Buchclub für Kinder abhalten kann. Erkundigt euch bei eurer Bibliothek nach den Bedingungen. Der Vorteil: Ihr könnt hier nach Herzenslust nach Büchern stöbern. Und vielleicht hat das ein oder andere Kind ja irgendwann einen eigenen Büchereiausweis.

Snack-Inspiration für euren Buchclub
Du suchst Ideen was ihr beim Treffen naschen oder trinken könnt? Von herzhaft bis süß — hier findest du einfache Rezepte die garantiert ankommen.
Ideen die den Buchclub besonders machen
Ein paar kleine Extras die bei Kindern gut ankommen:
Ein Lesepass – ein kleines Heftchen oder eine Karte, wo jedes gelesene Buch eingetragen wird. Nach einer bestimmten Anzahl gibt es eine kleine Überraschung. Klingt simpel, motiviert aber erstaunlich zuverlässig.
Themenmonate – einmal im Jahr nur Bücher über Detektive, oder nur Bücher aus anderen Ländern, oder nur Bücher mit Tieren als Hauptfigur. Gibt dem Buchclub Struktur über das Jahr hinweg.
Besondere Treffen – eine Pyjama-Lesenacht, ein Treffen in der Bibliothek, eine kleine Buchclub-Feier am Ende des Jahres. Das sind die Momente die Kinder in zwanzig Jahren noch erzählen.
Silent Book Club – eine Idee die ursprünglich aus den USA kommt und inzwischen auch in Deutschland Fans hat: Alle treffen sich, lesen eine Stunde gemeinsam still für sich – jeder sein eigenes Buch – und tauschen sich danach aus. Für ältere Kinder und Teenager eine wunderbare Variante. Und ehrlich gesagt auch für Eltern. Über silentbook.club findet eins Gruppen in der Nähe oder gründet eine eigene.
Und wenn es mal nicht so läuft?
Bücher werden nicht immer begeistern. Termine fallen aus. Kinder verlieren zwischendurch das Interesse. Das ist normal – kein Grund zum Aufhören.
Wenn ein Buch nicht zündet, einfach wechseln. Wenn die Gruppe kleiner wird, weitermachen. Wenn ein Treffen mal nur aus Snacks und Quatschen besteht – auch gut. Der Buchclub gehört den Kindern. Eins ist nur der Gastgeber.
Ein Buch das Türen öffnet
Manche Bücher kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. „Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein“ von Daniela Schreiter ist so eines.
Es erzählt in Comicform von Danielas Kindheit und Jugend mit Asperger-Autismus – wie sie die Welt erlebt, warum vieles anders ist als bei anderen, und wie es sich anfühlt täglich über den eigenen Schatten springen zu müssen. Witzig, ehrlich und berührend zugleich.

Bei uns kam dieses Buch durch eine einfühlsame Heilpädagogin in unser Leben – und hat seitdem mehr Türen geöffnet als viele lange Gespräche. Eins meiner Kinder las es und erkannte sich darin. Meine Mutter las es und erkannte plötzlich einen Menschen, den sie schon ihr ganzes Leben kannte. Lehrer haben es gelesen. Und jedes Mal hat es etwas erklärt, was Worte allein nicht konnten.
Für einen Buchclub ab etwa zehn Jahren ist es ein wunderbarer Gesprächsstarter – über Anderssein, über Empathie, über das was uns verbindet obwohl wir die Welt so verschieden erleben.
📚 Mehr aus der Welt der Kinderbücher
Quellen & weiterführende Links
- Stiftung Lesen – Leseclub-Förderung: stiftunglesen.de
- filmfriend – Streaming mit Bibliotheksausweis: filmfriend.de
- Silent Book Club – Gruppen weltweit: silentbook.club
- Daniela Schreiter – Schattenspringer Band 1, Panini Comics: amazon.de
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Wer einmal mit „Schattenspringer“ angefangen hat, möchte mehr. Die Reihe umfasst drei Bände – und mit „Herzlichen Glückwunsch, es ist Autismus!“ hat Daniela Schreiter zuletzt einen liebevoll bebilderten Selfcare-Ratgeber für neurodivergente Menschen veröffentlicht. Nicht nur für Betroffene – auch für alle die jemanden verstehen möchten, dem die Welt manchmal anders begegnet.

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Die langfristigen Vorteile des Lesens
Kinder, die gerne lesen, profitieren davon ein Leben lang. Sie entwickeln bessere Kommunikationsfähigkeiten, eine ausgeprägte Vorstellungskraft und die Fähigkeit, kritisch zu denken. Bücher vermitteln zudem Werte, fördern Problemlösungsfähigkeiten und helfen dabei, die Welt besser zu verstehen. Außerdem bietet Lesen einen Gegenpol zur digitalen Reizüberflutung und schenkt Kindern Momente der Ruhe.


Antolin ist ein interaktives Online-Portal zur Leseförderung, das sich an Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse richtet. Es motiviert Schüler, Bücher zu lesen, und kombiniert das mit einem Punktesystem, das den Spaß am Lesen steigert. Nach dem Lesen eines Buches können die Kinder auf der Plattform Fragen zu dessen Inhalt beantworten. Richtig gelöste Aufgaben bringen Punkte, die den Lernerfolg sichtbar machen.
Die Plattform unterstützt sowohl Schulen als auch Eltern dabei, die Lesekompetenz der Kinder zu fördern. Lehrkräfte können den Fortschritt ihrer Schüler verfolgen und gezielte Lesetipps geben. Für Kinder ist Antolin spielerisch und belohnend, da sie Punkte sammeln und Erfolge erzielen können. Viele beliebte Kinder- und Jugendbücher sind auf Antolin gelistet, einschließlich Werke von Autoren wie Stefan Gemmel.

Hier gibts was auf die Ohren!
Stefan Gemmels „Im Zeichen der Zauberkugel“ gibt es als Live Mitschnitt auf Spotify. Es lohnt sich da mal reinzuhören. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr.
