Erstveröffentlicht: 1. Dezember 2021 · Zuletzt überarbeitet: April 2026 · 2. Fassung
1999 war ich mit meiner Tante und meiner Cousine in London. Drei Tage lang haben wir uns durch eine Küche gekämpft, die uns fremd war – zu teuer, zu unbekannt, zu viel Lamm mit Minzsoße. Bis wir in einer Kirche am Trafalgar Square gelandet sind. In der Krypta gab es ein kleines Café. Auf der Karte stand etwas, das sich „Bread and Cream“ nannte. Meine Tante meinte trocken: „Ein armes Schwein auf Toast wäre mir jetzt lieber.“ 😂
Wir haben es trotzdem bestellt. Und es war wunderbar. Brot, das man so nicht wegwirft. Brot, aus dem eins mehr macht.
Genau darum geht es heute.

Altes Brot verwerten – warum es sich lohnt
Zu viel Brot zu haben ist kein Luxusproblem – es ist Alltag. Grillparty, Familienfeier, ein Wocheneinkauf der nicht aufging. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Als die Kinder noch klein waren, habe ich eine Zeit lang Brot von der Tafel bekommen. Manchmal nur Brot. Woche für Woche. Irgendwann war der Gefrierschrank voll und jeden Tag Butterbrote ist eben doch einseitig.
Also habe ich angefangen, mehr daraus zu machen. Und das geht erstaunlich gut.
Paniermehl selbst machen

Das ist der Klassiker. Meine Omi hat das immer gemacht – alte Brötchen auf der Heizung trocknen lassen, dann entweder mit der Küchenreibe reiben oder durch den Fleischwolf drehen. Paniermehl kann eins immer brauchen: für Schnitzel, Koteletts, falschen Hasen oder zum Backen.
Tipp: Statt alter Brötchen funktioniert auch Weizenmischbrot oder Roggenbrot – dann aber 1:1 mit Weizenmehl mischen. So lässt sich der Geschmack des Paniermehls noch etwas aufpeppen.
Altbrot ins neue Brot backen
Das klingt seltsam, ist aber nachhaltig und lecker. Getrocknetes Altbrot – grob gestückelt oder zu Brotmehl vermahlen – lässt sich dem neuen Teig zugeben. Als Quellstück (1 Teil Altbrot, 2 Teile Wasser), als Brühstück (1 Teil Altbrot, 3 Teile kochendes Wasser) oder mit Hefe als Vorteig.
Das Besondere daran: Die Geschmacksstoffe des Altbrots übertragen sich auf das neue Brot. Je nach verwendetem Altbrot variiert der Geschmack jedes Mal ein bisschen – kein Brot schmeckt dann wie das andere.
Wichtig: Immer gleiche Brotsorten kombinieren – Weizenbrot zu Weizenbrot, Roggenbrot zu Roggenbrot.
Meine Lieblingsrezepte: Molkebrot und seine Varianten

Selber Brot backen ist kein Hexenwerk. Mein absolutes Lieblingsrezept ist das Molkebrot – Molke hält das Brot länger saftig und gibt eine zartsäuerliche Note. Und das Schöne: Aus demselben Grundteig entstehen drei völlig verschiedene Brote.
Ein Grundteig – drei Varianten:
- Laib – oval oder rund geformt, 35–40 Minuten bei 200 °C
- Brötchen – 80–100 g pro Stück, 20–25 Minuten bei 210 °C, mit Saaten oder Kräutern nach Wunsch
- Stange / Baguette – lang ausgerollt, schräg eingeschnitten, 22–28 Minuten bei 220 °C – noch besser mit Kühlschrankgare über Nacht
Für Abwechslung sorgen geröstete Zwiebeln, Kräuter oder Speck – einfach unter den Teig kneten. Die genauen Rezepte und alle Varianten findest du in meiner Rezeptsammlung als Download im Ko-fi-Shop.*
Tipp: Brot und Brötchen direkt nach dem Backen mit kaltem Wasser besprühen – das gibt den schönen Glanz den eins beim Bäcker sieht.
Hinweis: Ich verwende die Molke, die bei meiner Käseproduktion anfällt. Molke kann aber auch im Kühlregal von Supermärkten oder auch Reformhaus erworben werden. Es gibt sie sogar in Pulverform zum Anrühren.
Altes trockenes Brot – da geht noch was
Brotchips, Croutons, Bruschetta, Brotsalat – das klingt aufwendig, ist es aber nicht. Ich folge seit Jahren Meiers Kochtipps auf YouTube. Markus Meier hat großartige Anleitungen und mit seinen Rezepten gelingen auch kompliziertere Sachen wunderbar. Auf seinem Kanal findest du genau das – einfache Ideen für trockenes Brot, hübsch verpackt auch als Mitbringsel für Partys geeignet.
Frisches Brot länger frisch halten

Zwei Methoden die wirklich funktionieren:
Einfrieren: Brot geschnitten einfrieren, immer ein paar Scheiben in einem Gefrierbeutel. Einzeln entnehmbar, im Toaster kurz aufbacken – fertig.
Stoffbeutel oder Geschirrhandtuch: Frisches Brot darin einwickeln – es trocknet nicht so schnell aus. Stoffbeutel lassen sich übrigens aus alten Geschirrhandtüchern leicht selbst nähen, wenn eins eine Nähmaschine hat.
Hartes Brot wieder weich machen
Eine große Schüssel mit Deckel nehmen. Plätzchenausstechförmchen auf den Boden legen, Wasser bis knapp unter den Rand der Förmchen füllen. Das Brot auf die Förmchen legen, Deckel fest drauf und ca. 24 Stunden stehen lassen. Das Brot saugt sich mit Feuchtigkeit voll.
Danach bei 175 °C ca. 15 Minuten backen – und es schmeckt wie frisch aus der Backstube.
Brotpudding – Erinnerungen an London
Zurück zur Kirche am Trafalgar Square. Was wir damals aßen war im Grunde ein Brotpudding – und der ist auch heute noch eine wunderbare Art altes Brot zu verwerten. Gut vorzubereiten, zum Frühstück backfertig – in kleinen Formen sogar noch schneller als in der Auflaufform.
Einen schönen Ofenschlupfer – den süßen Brotresteauflauf – findest du in vielen deutschen Rezeptsammlungen. Auch das ist Brotpudding, nur unter anderem Namen.
Brotsuppe – Restverwertung mit Geschichte
Brotsuppe galt früher als Arme-Leute-Essen. In ihr wurden Reste verarbeitet, altes Brot, Lebensmittel die zu verderben drohten. Das hat heute nichts mehr mit Armut zu tun – es ist Nachhaltigkeit. Ob klare Brühe oder cremige Suppe, ob als Hauptmahlzeit oder als pfiffiger Snack beim spontanen Treffen – Brotsuppe lohnt sich.
Müsli aus Brot?
Das klingt abwegig, ist es aber nicht. Das dänische „Ymerdrys“ – ein Knuspermüsli aus altem Brot – hat mich wirklich überrascht. Einfach mal suchen und ausprobieren. Ich wette, es schmeckt besser als es klingt.
Aber altes Brot selbst verwerten kostet doch Zeit…
Ein bisschen. Aber Paniermehl ist in zehn Minuten gemacht. Croutons brauchen kaum Aufwand. Und eingefrorenes Brot ist in zwei Minuten wieder frisch.
Was wirklich Zeit kostet? Jedes Mal schlechtes Gewissen haben weil wieder ein halber Laib im Müll gelandet ist.

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Eure Pinf
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